Montag, 14. September 2015

Transit

"Ich möchte gern einmal alles erzählen, von Anfang an bis zu Ende."

"Ich fürchtete mich beim Zusehen, ich könnte in diesen Strom hineingeraten, ich, der ich mich noch am Leben fühlte, durchaus zum Bleiben gewillt, als könnte ich in den Strom gerissen werden durch einen Gewaltstreich oder durch eine Verlockung."

"Ich hatte bei ihren Worten die Vorstellung eines völlig leeren, völlig von Menschen geräumten Erdteils, das letzte Schiff abgefahren und sie allein zurückgeblieben in der vollkommenen Wildnis, die sofort alles überwuchert hatte."

"Ich fing auch schon an, meine Träume ernst zu nehmen - warfen sie denn nicht ihre echten Schatten auf die weißen Seiten der Dossiers?"

"Noch sind wir in einer Stadt, dachte ich, noch schlafen wir unter demselben Himmel, noch ist alles möglich."

"Vergangenheit und Zukunft, einander gleich und ebenbürtig an Undurchsichtigkeit..."

"Der abgerissene Fetzen von einem Schatten vor mir auf der Wand suchte noch einmal Anschluß an Fleisch und Blut."

"Alle Einzelheiten stimmten. Was machte es aus, daß das Ganze nicht stimmte?"

"Transit" heißt das Buch von Anna Sehgers. Transit ist auch das Buch. Gerade heute wieder aktuell. 1940/41, in Frankreich. Marseille. Der letzte Hafen in französischer Hand. Und mitten in diesem Chaos der Ich-Erzähler.

2 Kommentare:

  1. Oh das klingt wunderbar! Worte können so schön sein!
    Vielen Dank für dein liebes Kommentar!

    Liebe Grüße!

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  2. Das wirkt zunächst wie ein Buch, dass ich mir nicht unbedingt kaufen würde (zuerst hat es mich zu sehr an seltsame Lektüren zu Deutsch LK Zeiten erinnert), aber die Zitate finde ich schön und gefallen mir auch wirklich gut.

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