Kommt man nach Sultanahmet, denken die meisten an die Blaue Moschee, die Hagia Sophia und an die Zisterne. Es geht um Geschichte, traditionsreiche Plätze und Orte wie zum Beispiel den Topkapı Sarayı, den alten Sultanspalast.
Aber auch Sultanahmet ist nicht nur Touristik! Auch Sultanahmet hat urtürkische Seiten. Und das beste: egal, wo man sich abseits der Hauptstraßen bewegt, immer hat man Blick auf das Marmarameer mit seinen unzähligen Schiffen.
Dass das Stadtviertel, welches auf der historischen Halbinsel liegt, nicht nur Touristenviertel ist und auch nicht wirklich ein Reichenviertel, bemerkt man meist gar nicht. In den Nebengassen zwischen dem großen Basar und der blauen Moschee drängen sich kleine Wohnungen dicht aneinander, durch die steilen Straßen sieht man auch schonmal einen Esel die Ware transportieren.
Und mitten in so einem Konglomerat von Gassen abseits des Stroms, habe ich Umut Abi getroffen. Umut heißt Hoffnung. Umut Abi hofft jeden Tag auf Kunden, die ihm seinen frisch gepressten Orangensaft abkaufen. Das Geschäft lohnt sich nicht wirklich, aber Umut Abi verkauft schon seit ca. fünfzig Jahren Orangensaft in der Großstadt. So genau weiß er das nicht - er hat nicht mitgezählt. Auch sein Alter kann er nur schätzen, vielleicht ist er schon über siebzig Jahre alt. Umut Abi versteht nicht so ganz, was mich hier in die Nebenstraßen treibt. Er versteht auch meine Faszination nicht. Ich bin tatsächlich fasziniert von der Enge der Gassen, an deren Ende immer die Weite des Meeres steht. Aber für die Istanbuler ist dieser Anblick zu normal, als dass er jeden Tag ein Staunen wert ist. Sie haben andere Sorgen.
Sultanahmet ist deswegen auch eines der Viertel, was diese Stadt am liebsten verschweigt. Zumindest die armen Ecken. Anders sieht es in den Hotelstraßen aus. Auch diese sind schön, eben auf eine ganz andere Art und Weise: Helles Kopfsteinpflaster, sorgfältig renovierte Osmanenhäuser, stillgelegte Bahngleise. Überhaupt diese Stille, die ich nie vermutet hätte gerade in diesem pulsierendem Viertel, wie viele Menschen streifen täglich durch Sultanahmet...Aber die sauberen Blumenbeete und die Katzen, die sich vor den Haustüren in der Sonne räkeln, vermitteln ein anderes Bild.
Und so repräsentiert auch Sultanahmet ganz besonders Istanbul: Die Stadt der unendlichen Gegensätze.
PS: Istanbul kompakt? Meine drei Dinge, dich jedem, der nach Istanbul kommt, unbedingt empfehle, findet ihr im Rahmen von Arianes "Projekt Fernweh" hier.
Der Kontrast dieser engen, hohem Gassen zur Meeresweite ist wirklich beeindruckend. Die beiden Bilder dazu find ich echt schön.
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Christiane
Ich kenne mich mit Istanbul bzw. dem kompletten eurasischen Bereich überhaupt nicht aus.
AntwortenLöschenIch war auch noch nie dort und habe nur diese klischeehaften Eindrücke.
Daher fand ich deinen Eintrag total interessant und informativ! Vor allem die Spezialisierung auf ein Stadtviertel, das nicht wirklich bekannt ist. Ich kannte es jedenfalls noch nicht. Istanbul ist bestimmt eines meiner Ziele für kommende Reisen :D
xxx
Das ist ein richtig schöner Post.
AntwortenLöschenHat gleich meine Neugier geweckt. :)
Liebste Grüße,
Lisa von Ash Blonde