Dienstag, 11. Juli 2017

Geburtstagsgedanken

Heute habe ich Geburtstag und ich glaube, so einen seltsamen Geburtstag habe ich noch nie erlebt.
Ich befinde mich an einem Traumstrand. Alleine. Niemand weiß von meinem Geburtstag. Es könnte wunderschön sein. Und ich vermisse etwas.
Ich bin jetzt 19 Jahre alt. Seitdem ich 15 bin, blogge ich hier mit kleineren oder größeren Pausen zwischendurch. Ich nehme mir meinen Geburtstag zum Anlass, darüber nachzudenken, wer ich bin. Was ich mag. Was mein Leben ausmacht. Was ich im letzten Jahr so gemacht habe. Ein kleiner Schwung aus meinem Leben, ein bisschen #monatsgelaber. Mein letzter #monatsgelaber-Beitrag ist 11 Monate her. Damals habe ich geschrieben, dass ich meinen 18. Geburtstag gefeiert habe. Irre, wie schnell die Zeit vergeht!

JETZT
Jetzt sitze ich an einem Strand in Tansania. Ich war die vergangenen Monate rastlos, immer unterwegs. Das letzte Mal für länger als drei Wochen zu Hause war ich im April vergangenen Jahres. Der Strand ist schön und dennoch erfüllt er mich nicht so, wie er es vielleicht vor ein paar Monaten getan hätte. Ich atme tief durch. Ich spüre: Es ist Zeit, wieder Ruhe und Ordnung in mein Leben zu bringen. Wieder ein festes Zuhause zu haben. Ich bin bereit dazu.

DAVOR
Direkt nach dem Abi war ich weder bereit zu studieren, noch in Deutschland zu bleiben. Statt wie viele andere ein Jahr Work&Travel zu machen oder ein FSJ im Ausland, entschied ich mich für diverse Praktika. Mein individuelles Work&Travel sozusagen. Nach einem Reisesommer führte mich mein erstes Praktikum in den Norden Ghanas. Ich habe es dort geliebt, weit ab von dem ohnehin spärlichen Tourismus des westafrikanischen Staates. Ich habe auf dem Dorf gelebt, nicht weit von der burkinesischen Grenze entfernt und ich möchte keine Minute missen. Meine Zeit in Ghana war sehr intensiv. Ich bin sehr dankbar für diese drei Monate, die sich angefühlt haben wie ein ganzes Leben und gleichzeitig so schnell vorbei waren.
Im Dezember wieder zurück in Deutschland, habe ich kurzentschlossen ein Kurzpraktikum in der Obdachlosenhilfe gemacht. Die Adventszeit mit den obdachlosen Menschen hat mir sehr viel bedeutet, ebenso wie das gemeinsame Heiligabend feiern und meine seitdem nicht endenen Besuche, wenn ich mal wieder in meiner Heimatstadt bin.
Für Silvester und den ganzen Januar ging es dann nach Tansania. Mein Lieblingsmensch wohnt zur Zeit dort und ich habe ihn besucht und bin fünf Wochen durch's Land gereist. Ein kleiner Abschnitt dieser Reise war auch verantwortlich dafür, dass ich jetzt wieder in Tansania bin: Ich habe ein Praktikum in einem Beach Resort angeboten bekommen.
Zwischendurch hieß es jedoch nochmal Deutschland. Für drei Monate habe ich in Berlin gelebt und gearbeitet.
Und jetzt, jetzt bin ich wieder in Tansania. Seit sieben Wochen schon, fünf weitere folgen noch.

BALD
In Deutschland bleibe ich nur kurz, den zum Studium geht es nach Schottland. Ich werde ab September "International Relations and French" in Aberdeen studieren.
Ich bin meistens ein ziemlich fröhliches Mädchen. Ich liebe Reisen über alles und träume jetzt schon wieder davon, noch mehr von der Welt zu entdecken, auch wenn ich erstmal wieder einen Alltag haben möchte.

Ich habe versucht, mir in den letzten Tagen bewusst zu machen, was mich glücklich macht. Nicht die großen Dinge. Sondern kleine Dinge. Alltagsdinge. Und vielleicht doch größere Dinge. Sachen, die so viel ausmachen.

WAS MICH GLÜCKLICH MACHT
Mein Lieblingsmensch. Frisches Obst. Sonnenstrahlen. Festgehalten werden und kuscheln. Tee. Fahrrad fahren. Zucchini und Avocado. Palmen. Laufen. Blätter rascheln.

ZIELE
Mein größtes Ziel für mein kommendes Lebensjahr ist es, Balance zu finden. Balance zwischen den Dingen, die ich liebe und Dingen, die getan werden müssen. Balance zwischen em Gefühl des Glücks, welches in meiner Brust zerspringt, weil es eigentlich zu groß ist für ein kleines Persönchen wie mich und er alles einnehmenden Verzweifelung und Traurigkeit, die mich manchmal überrollt. Himmeloch jauchzend zu Tode betrübt. Ich möchte wieder bewusster jeden Tag leben. Ich weiß, das ist eine Lebensaufgabe. Und ich bin glücklich, sie in Angriff zu nehmen.

Das letzte Jahr hat mich sehr geprägt. Wie eigentlich jedes Jahr. Und doch glaube ich, dass mein 18. Lebensjahr etwas ganz besonderes war. Weil es für sich alleine stand. Es ist kein Teil meiner Schulzeit oder des Studiums. Es steht ganz alleine. Es ist ein Jahr, was sich in tausend besonderen Momenten und Erinnerungen widerspiegelt. Ich habe mich darin sehr wolgefühlt. Und ich bin bereit, es gehen zu lassen. Auf ein Neues! 

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