Freitag, 15. April 2016

Stadtansichten #5 - Fener und die steile Straße

Fener ist ein Viertel, was eigentlich für die meisten wohlhabenden Türken gar nicht existiert und was doch manchmal einen Weg in diverse Reiseführer findet. Der Grund? Fener hat tolle alte Häuser, nicht unbedingt osmanisch, aber wie bei uns aus wilhelminischer Zeit. Hohe Decken, kleine Balkönchen. Nichts davon ist restauriert, manches kunterbunt und genau das macht den Charme des Viertels aus, weswegen sich doch Touristen hierhin verirren. Eine Ecke ist ganz besonders beliebt bei den Fotografen - die Ecke, wo das Haus sehr schmal ist und die Straße mit gefühlt 90% Steigung den Hang hinabfällt. Fener wird auch deswegen gerade wieder ein bisschen hip, weil eben doch Touristen kommen. Unten, am Goldenen Horn, wenn man sich aufmacht in das Viertel, kommt man an chicen Cafés, trendigen Lädchen, Boutiquen vorbei, etwas alternative Menschen haben sich hier eine kleine Szene eingerichtet.
Hoch über den Gassen thront "Das rote Schloss", die alte griechische Schule Istanbuls. Fener war nämlich seit Byzanz der Hauptansiedlungsort für wohlhabende Griechen in Istanbul. Auch der Sitz des Ökumenischen Patriarchats in Konstantinopel befindet sich dort. Ringt man sich dazu durch, weiter die steilen Gässchen nach oben zu wandern (und die sind wirklich sehr steil!), wandelt sich das Bild. Die Häuser sind die gleichen geblieben. Aber plötzlich bin ich die einzige unverschleierte Frau auf der Straße. Männer in langen Gewändern mit traditionallen Kopfbedeckungen hasten, den Blick auf den Boden gerichtet, an mir vorbei. Aus dem Supermarkt kommen zwei tief verschleierte Frauen. Nachdem die Griechen aus Istanbul vertrieben wurden, wurde Fener zu einem günstigen Wohnviertel für anatolische Einwanderer - die verfallenen Häsuser der Griechen wurden bezogen und das Viertel streng konservativ.
Auf meiner Erkundungstour habe ich Hunger bekommen und so entschließe ich mich trotz der seltsamen Atmosphäre hier, zum Pideci zu gehen und dort zu essen. Auch dort sitzen nur Männer, alle traditionell gekleidet und mit dichten Bärten, die ihre Mittagssuppe schlürfen. Etwas unwohl fühle ich mich schon, aber hey: Das ist jetzt wirklich unverfälscht türkisch und nichts zum Touristenamusement. Ich glaube nicht, dass sich hier schonmal ein Ausländer hin verirrt hat, so wie ich behandelt und beobachtet werde. Das Pide schmeckt gut - dennoch bin ich auch froh, als ich mich wieder nach draußen begebe und auf den Weg in "normalere" Viertel mache.

6 Kommentare:

  1. Super süß sieht Fener aus! Ich glaube, ich hatte ähnliches schon einmal unter einem Beitrag von dir über Istanbul gepostet, aber ich habe direkt richtig Lust, selber an Ort und Stelle zu sein und die Atmosphäre (vielleicht auch die drückendere..) mitzubekommen. Zurzeit wird ja echt viel über die Türkei berichtet, da ist es gut auch von anderen Seiten zu lesen.
    Die historischen Hintergründe finde ich auch sehr interessant!!
    xxx

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    1. Dankeschön, das freut mich! Ich fand Fener auch super, weil da auch echt überhaupt keine Touristen waren! Aber irgendwie war ich schon froh, dass mein Papa dabei war :D
      Liebe Grüße,
      Malika

      PS: Und fahr nach Istanbul! Es lohnt sich unglaublich!

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  2. Ein tolles Viertel! Nach genau solchen Straßen halte ich ja beinahe immer Ausschau, wenn ich irgendwo bin. Um zu entdecken, wie es in der Stadt mal wirklich ausgesehen hat. Heutzutage sehen ja gerade die moderneren Straßen überall auf der Welt gleich aus.

    Vom ersten Foto her und ohne den Text zu lesen habe ich aber glatt gedacht man würde Italien auf dem Foto sehen... ;)

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    1. Jetzt wo du es sagst... stimmt :D Wäre mir vorher nicht aufgefallen oder gar in den Sinn gekommen!

      Ich würde mir für Fener wünschen, dass nach den ganzen anatolischen Einwanderern jetzt die kreative Jugend dieses Viertel für sich entdeckt - es hat nämlich sehr viel Potential, wie ich finde :)

      Liebe Grüße,
      Malika

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  3. falls ich jemals nach istanbul komme, muss ich da unbedint hin. richtig schöne eindrücke. und cool, dass du das auch noch mit historischem wissen verknüpfen kannst. wieder was gelernt;)

    wie liefen deine prüfungen so?
    ich fand alle prüfungen ganz gut, in deutsch habe ich die gedichte genommen, ich mochte das expressionistische tatsächlich:)
    und geschichte hab ich auch im grundkurs geschrieben und da hab ich mich natürlich für die karikatur entschieden, so als kunst lk-ler (und natürlich nicht weil ich auf die anderen themen nicht so gut vorbereitet war, ich hatte ja eigentlich ganz stark auf märzrevolution gehofft, oder einfach alles nach 1815 und vor 1949 und in diesen zeitraum fiel nur die karikatur;)abgesehen davon ist es unglaublich, wie viele punkte man alleine dafür bekommt, dass man ein bild beschreibt.
    okay, jetzt hab ich dich genug mit schulkram belästigt.
    Liebst, Carolin

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    1. Also Deutsch fand ich super - ich habe auch die Lyrik genommen und habe mich mit der Wahl auch wohl gefühlt :) Als zweiten LK hatte ich Englisch, das lief leider überhaupt nicht. In Geschichte habe ich die Rede von 1989 genommen, das lief ganz okay (ich hatte den Kalten Krieg sehr ausführlich gelernt, das Epochenjahr 1989 aber leider nicht mehr so; und wie bescheuert ist es denn bitte, den historischen Kontext nur bis 1989 zu erwarten?! :D)
      Wie lief Kunst bei dir? Und alles Gute für die mündliche Prüfung (müsste bei dir ja Mathe sein)! Ich drücke die Daumen :)

      Liebe Grüße,
      Malika

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